Im südelsässischen Brinckheim wandelt ein Landwirt einen Teil seiner Flächen seit 2014 in Agroforstflächen um und hat gleichzeitig auf biologischen Anbau umgestellt.
Sein Vorgehen? Er pflanzt Baumreihen (einschl. Hochstamm-Obstbäume) in seine Getreidefelder und Wiesen. Ein Schritt in Richtung angewandter Agrarökologie mittels Agroforst, der bereits Vorteile zeigt, obwohl die Bäume noch nicht ausgewachsen sind.
Die Bodenfruchtbarkeit nimmt zu
In Abkehr von den vorherrschenden Monokulturen pflanzt der Landwirt Hunderte Bäume und Sträucher auf vielen Hektaren.
"Ich wollte anders produzieren, als es in der konventionellen Landwirtschaft gemacht wird" erklärt er.
Der Baumbestand zwischen den Kulturen beeinflusst die Bodenstruktur: Der Baum bearbeitet mit seinen Wurzeln den Boden tief, bringt Nährstoffe hoch und verbessert so die Bodenfruchtbarkeit. Das Laub sorgt im Herbst für organischen Dünger, in der Vegetationsperiode spenden die Gehölze Schatten und verhindern in Trocken-oder Hitzeperioden zu schnelles Austrocknen.
Durch die Gehölze wird die Bodenerosion verringert/ verhindert und atmosphärischen Kohlenstoff gebunden.
Ausgerichtet sind die Baum- und Strauchreihen in Abständen von ca. 24 m von Süd nach Nord um die Gesamtsonne zu nutzen.
Die benötigten Jungbäume nimmt der Landwirt aus seinem eigenen, nahe gelegenen Wald. "Der Vorteil gegenüber einem gekauften Baum ist, dass er im gleichen Boden bleibt, er wechselt nicht das Substrat. Ich habe mehr Ausfälle mit Bäumen aus anderen Bereichen gehabt."
Die besten Erfahrungen hat der Landwirt mit Hainbuche, Ahorn, Buche und Obstbäumen. Die Gehölze pflanzt er im Abstand von drei bis fünf Metern und macht einen Erziehungsschnitt, der das Höhenwachstum fördert und das Breitenwachstum begrenzt.
Bilanz nach sieben Jahren Agroforstwirtschaft
"Natürlich reduziert der Pflanzstreifen den Gesamtertrag, aber ich erhalte ein Nebeneinkommen durch das geschnittene Holz (auf lange Sicht), das Futter oder die Früchte. "Ganz zu schweigen von den direkten Auswirkungen der Bäume auf die Bodenfruchtbarkeit."
Doch besagter Landwirt pflanzt nicht nur Bäume, auch Hecken spriessen wieder auf seinen Feldern. Zusätzlich zu den Baumreihen pflanzt er Hecken, um tierische Nützlinge anzulocken. Die Sträucher reichern den Boden ebenfalls mit Mulch an, die Heckenpflanzen beschatten im Sommer und erhöhen die Nährstoffverfügbarkeit im Boden.
Die Fruchtfolgen werden v.A. mit Luzerne durchgeführt, einer Gründüngung, deren tiefe Wurzeln den Boden durchlüften, und die nur teilweise gemäht wird, damit sie aussamen kann. Die Versuche sind überzeugend und die Pflanzungen auf den südlichen Höhen Brinckheim's von Weitem sichtbar.
Bisher haben nur wenige Landwirte den Schritt gewagt, Kulturen wie Mais oder Weizen mit Gehölzen zu mischen oder ihre Wiesen nicht vollflächig zu mähen.
"Aber Agroforstwirtschaft und Agrarökologie sind Ansätze, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen", bemerkt Jacques Detemple vom Verein Haies Vives d'Alsace, der sich für die Wiederanpflanzung von Bäumen einsetzt und viele Betriebe begleitet, die sich diesen neuen Praktiken öffnen.
Für Julien Scharcht, Präsident von Opaba (Berufsverband des ökologischen Landbaus im Elsass), scheint es bei der Logik des ökologischen Landbaus naheliegend zu sein, Hecken oder Bäume auf die Felder zu setzen. Opaba hat dazu ein Netzwerk von Pilotfarmen in's Leben gerufen, um die Auswirkungen der Artenvielfalt zu untersuchen.
Link zum ganzen Artikel in L'Alsace https://www.lalsace.fr/environnement/2021/03/16/grand-format-ici-on-agit-brinckheim-walbourg-l-agroforesterie-remet-l-arbre-au-coeur-de-l-agriculture?fbclid=IwAR2_s4WsTkPw3WvESCeKRvT8602Thcn6goi_m7awHedSv3uIn_NwvHhUGtY
Jasmin Horrelt
Dipl.Ing. Landespflege (FH)
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